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Ein gutes Fahrgefühl | Nicht nur fahren können, sondern Fahrer SEIN

25. Mai 2018
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Unter einem „guten Fahrgefühl“ kann man mehrere Dinge einordnen. Drei wesentliche beschreibe ich euch heute.


Gutes Fahrgefühl – was ist das eigentlich?

Ich hatte nun schön öfter übers Radfahren gesprochen und geschrieben. Gesprochen in meinen Instagram-Stories (die ich ja sehr gerne machen aber leider auch sehr schnell wieder verschwinden und somit nicht alle erreichen), geschrieben in kurzen Texten ebenfalls auf Instagram oder auch schon hier im Blog.

Das letzte Mal über den Schulweg und wie man die „Sache mit dem Selberfahren“ am besten startet. Oder wie es zumindest bei uns sehr gut geklappt hat. Nachlesen könnt ihr das noch hier.

Aber noch eine Sache kam mir die letzten Tage und Wochen immer mehr ins Bewusstsein. Das Fahrgefühl. Es geht nicht nur darum dass Kinder die Verkehrsregeln kennen und umsetzen können. Es geht auch darum das Rad zu beherrschen, ein gutes und besonders sicheres Fahrgefühl zu erhalten. Das Rad darf nicht nur der fahrbare Untergrund sein, man muss das Rad SEIN. So quasi. Klingt jetzt vielleicht komisch, aber der Unterschied ist enorm.

Diesen Unterschied sehe ich ganz oft bei Kindern. Kindern die gerade fahren lernen oder aber auch Kinder die ein eigentlich zu großes oder zu schweres Fahrrad haben. Sie beherrschen das Rad (noch) nicht – fahren und sind somit unsicher. Das Resultat ist dann ein Verkehrsteilnehmer der im Zweifelsfall nicht in entsprechender Geschwindigkeit reagieren kann oder andere schlicht blockiert und aufhält (und somit wieder eine Gefahrenquelle darstellt).

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Die ersten „Tricks“ am woom machen richtig Stolz!

Wie bekommt man ein gutes Fahrgefühl?

Meiner Meinung nach reicht es nicht, dass Kinder einfach Fahrrad fahren lernen.
Es reicht auch nicht jeden Tag die selbe Strecke von A nach B zu fahren (Wohnung – Kindergarten z.B.). Das Kind muss die Möglichkeit haben sich auszuprobieren, Grenzen auszutesten und sich uneingeschränkt mit dem Fahrrad bekannt zu machen. Was geht, was geht nicht und wie weit kann ich gehen? Wann fliege ich auf die Nase? Und das bitte auch noch richtig ohne sich die Arme zu brechen?

Tipp: Ich empfehle auch Erwachsenen solche kleinen „DIY Fahrtrainingseinheiten“ die schon länger nicht mehr Rad gefahren sind, ein neues Fahrrad haben oder es gerade lernen.

Im Straßenverkehr haben Kinder ganz andere Probleme. Sie stehen permanent unter der „Anspannung“ alles richtig zu machen. Lärm, Gerüche, Autos, LKWs, andere Radfahrer, eine Rettungssirene.

Was bei uns schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, erfordert bei Kindern noch sehr viel Konzentration und vorallem Disziplin. Auf der richtigen Spur bleiben, auf die anderen achten, das eigene Tempo kontrollieren, die Hand auf der richtigen Bremse halten für den Fall der Fälle, an der Ampel halten, Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern (z.B. Blickkontakt mit Autofahrern beim Überqueren einer Straße)…

Noch bevor es also in den Verkehr geht, sollten Kinder tatsächlich LERNEN Rad zu fahren. An unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Tageszeiten. Ob Wald- oder Straßenbelag macht einen gigantischen Unterschied. Auch ob es beissend hell ist und die Sonne blendet (auch das sollte man mit Kindern üben übrigens, denn das ist ebenfalls eine Alltagssituation am Schulweg) oder bereits dämmert.

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Slalom fahren im Wald? Kein Problem mit etwas Übung!

Das Kind muss sich am Rad einfach sicher fühlen und bereits einige „Gefahrensituationen im Spiel nachgestellt haben“. Radfahren sollte so sein wie seine eigenen Füße zu benutzen. Ganz automatisch, als wäre es das natürlichste der Welt. Das Radfahren MUSS SITZEN sage ich meinen Kindern immer.

Straßenverkehr? Das ist kein Spaß, Kinder.

Der (Stadt)Verkehr ist kein Spaß und so bin ich beim Fahren auf der Straße auch sehr streng. Blödeln am Rad im Verkehr? Gibt es bei mir nicht.
Quatschen wenns über die Straße geht? Gibt es bei mir nicht.

Da ist Konzentration angesagt. Gespielt wird später. 

Auch wenn meine Kinder schon länger fahren können und wir täglich viele Kilometer zurücklegen, üben wir fürs Fahrgefühl. Die Kinder wollen dabei meist neue „Tricks“ lernen oder einfach uneingeschränkt wild umherfahren.

Manche Dinge leite ich an und wir üben Dinge gemeinsam (der richtige Bremsweg, oder am Sattel stehen während der Fahrt), auf viele Ideen kommen sie selbst. Die Kinder hatten sich aus unseren Trainingshütchen zum Beispiel ganz eigene Strecken und Slalom Verläufe gelegt. Das Fahren mit einem ausgestreckten Bein und dem anderen am Pedal hat Lani sich selbst ausgedacht – „wie beim Voltigieren am Pferd“.

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Am Sattel zu stehen ist garnicht so einfach…

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Mit richtig Schwung kann man am woom 4 ein ganz schönes Stückchen im Stehen fahren.

Haltet euch an die Regeln!

Letztens habe ich morgens übrigens gepöbelt. Mitten im Verkehr, vor meinen Kindern. Schimpfwörter sind keine gefallen, das obligatorische „Orschloch“ habe ich mir diesmal nur gedacht.
Aber laut war ich und die Damen am Rad wissen nun hoffentlich auf welcher Straßenseite sie fahren müssen und dass man Kinder am Gehweg nicht fast auf die Straße (!) drängt.

Wie es überhaupt dazu kam? Das ist leider eine sich täglich wiederholende Geschichte…

Und ich habe das Gefühl es wird einfach immer schlimmer, immer rücksichtsloser und immer mehr „ICH ICH ICH!“ statt „WIR“ im Straßenverkehr. Wir müssen ja nicht alle Händchen halten und jedem ein guten Morgen wünschen, mir gehts hier nicht um Höflichkeit. Mir geht es um grundlegende Dinge die eigentlich schon ziemlich lange gesetzlich festgelegt sind. DIE VERKEHRSREGELN.

Verkehrsregeln haben tatsächlich einen Sinn, denn ohne diese gäbe es weit mehr Unfallopfer als ohnehin schon. Und ich erwähne es an dieser Stelle, da es vielen da draußen leider nicht so ganz klar zu sein scheint: Die Verkehrsregeln gelten für alle. Für A-L-L-E.
Egal ob Mensch im Rollstuhl, ob Kinder oder Erwachsene am Rad, Fußgänger, Autofahrer,…

Ich lege mit meinen Kindern täglich viele Kilometer zurück. Letztens, ein ganz normaler Tag unter der Woche, habe ich mal mitgezählt.

Die kleine Tochter, fast 5 Jahre alt: Im Auto fuhr sie heute 3,7 km mit, am Rad fuhr sie selbst knappe 10 km.
Die große Tochter, 7,5 Jahre alt: 14,8 km am Fahrrad
Ich, ganz alt: 16,5 km

Am Wochenende fuhr ich etwa 30 km+ pro Tag, die Kinder um die 10 km selbst, die kleine die 30 zusätzlich bei mir am Radsitz mit. Diese Kilometer finden im Alltag mitten in Hamburg statt, im Bezirk Altona und/oder Eimsbüttel.

Nur gemeinsam läuft’s

Und nur gemeinsam fährt es sich auf der Straße gut.

In letzter Zeit haben sich zwei Fronten gebildet bzw. sehr verhärtet. Die Radfahrer und die Autofahrer. Beide fühlen sich im Recht, beide gehen regelrecht aufeinander los. Es vergeht kein Tag an dem ich keinen Konflikt mitbekomme oder gar Teil davon bin weil mich oder ein Autofahrer/ein Radfahrer nur haarscharf mein Kind verschont.

Ganz oft werde ich auch im Alltag, auch wenn ich garnicht übers Radfahren spreche, geschweigedenn am Rad sitze, mit Anschuldigungen konfrontiert weil ich ja AUCH Radfahrer sei. So  „wie alle anderen Radfahrer“. Und das macht mich traurig.

Wir sind alle Verkehrsteilnehmer. Täglich.

Und ich wünsche mir als solcher ernstgenommen zu werden. Ich wünsche mir Respekt im Straßenverkehr, Achtsamkeit. Für mich und meine Kinder die täglich auf dem Rad unterwegs sind. Die sich penibel an die Verkehrsregeln halten. Umsichtig fahren und sich respektvoll im öffentlichen Verkehr fortbewegen.

Respekt gegenüber allen anderen die sich um einen selbst bewegen. Auf Augenhöhe. Ich wünsche mir Achtsamkeit im Verkehr.Ich wünsche mir ein Miteinander, eine „Hand in Hand-Mentalität“ anstelle von „I foar di nieda, du Orschloch!“ wie man in Wien sagen würde. Hier in Hamburg wird es zwar netter ausgedrückt, meinen tun aber alle dasselbe.

Ich wünsche mir das für ALLE die am Verkehr teilnehmen.

Und ich denke das wünschen sich ganz viele von euch auch. Nein, das weiß ich sogar.
So unterschiedlich unsere Fortbewegungsmittel sind, so haben wir alle eines gemeinsam: wir wollen sicher und unversehrt an unserem Ziel ankommen. 

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Hier übt die Tochter Slalom fahren vor dem HSV Stadion in Hamburg.

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Helm auf? Erst dann gehts aufs Rad!

Freude an Bewegung

Auch das ist ein Punkt der für mich zu „einem guten Fahrgefühl“ dazu gehört. Kinder haben einen angeborenen Bewegungsdrang den man ihnen mit den Jahren austreibt. Ist so. Wir Erwachsenen verbringen irrsinnig viel Zeit im Sitzen und wundern uns nur allzuoft „woher unsere Kinder all diese Energie“ hernehmen.

Die Frage ist jedoch meiner Meinung nach eher wo wir unsere Energie lassen. Ich merke dass ich morgens wesentlich fitter bin und mich allgemein wohler fühle wenn ich mit dem Rad in die Arbeit fahre. Diese 5 km am Morgen „wecken“ mich erst auf. Ich freue mich dann erstens über die Bewegung die meinem Körper gut tut und darüber dass ich wesentlich schneller bin als meine Kollegen die ewig im Bus oder Auto sitzen und mich das auch noch viel günstiger kommt.

Ich bin der Meinung dass wir unsere Kindern nur etwas vermitteln können, wenn wir selbst dahinter stehen. Wenn die Eltern sich also niemals „bewegen“ – wie soll das Kind die Freude daran entdecken?

Natürlich kann man nicht überall Rad fahren – oder oft nicht ohne dass man die Kondition eines Extremsportlers haben müsste. Doch benötigen wir wirklich für eine Strecke von 2 km das Auto? Ich denke nicht.

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Warum wir Rad fahren:

  • auf Kurzstrecken sind wir schneller am Ziel als Autofahrer aufgrund des massiven Autoverkehrs
  • wir schonen die Umwelt!
  • wir sparen massiv viel Geld für Sprit
  • wir halten uns fit und aktiv
  • wir haben viel Freude an der täglichen Bewegung
  • meine Kinder erhalten eine ganz eigene Selbstständigkeit durch das Radfahren und wachsen daran

Was ist eure persönliche Motivation das Rad zu nutzen? Nerven euch die Wartezeiten auf Bahn und Bus, habt ihr vielleicht keinen Führerschein (wie ich)? Wollt ihr die Umwelt schonen?
Oder seid ihr tatsächlich durch und durch Autofahrer? Wenn ja, warum?

Das richtige Rad

Na no na ned, gehört zu Freude am Radfahren auch das richtige Rad. Diese Erfahrung haben wir selbst gemacht. Bisher hatten wir sehr schwere Kinderfahrräder. Mit Kinderfahrrädern hatte ich mich nicht wirklich auseinandergesetzt bis wir nach Hamburg zogen.

Das richtige Rad muss von der Größe her passen, darf verhältnismäßig nicht zu schwer sein (zwecks Kontrolle) und muss natürlich dem aktuellen Stand der StVo entsprechen.

Tatsächlich sind wir, seit wir in Hamburg wohnen, eine richtige Rad-Familie geworden. Ich bin übrigens auf dem alten geerbten KTM meiner Oma unterwegs. Auch die kleine Tochter fuhr bisher auf ihrem Laufrad diverse Strecken selbst – ab jetzt natürlich auf ihrem neuen woom 2 in lila – ganz wichtige Zusatzinfo. Mit diesem schafft sie es nun sogar die knapp 4 km vom Kindergarten nach Hause selbst zu fahren. Die Strecke ist leider irre gefährlich (Autobahnauf- und abfahrt Kreuzung mit täglichen Unfällen) aber sie meistert es mit Bravour. Da bin ich richtig stolz auf sie dass das so einwandfrei funktioniert.

So wenig das Kind im Alltag „auf mich hört“ und macht was ich gerne hätte was sie tut, so gut läufts beim Thema Radfahren. Die kleine Tochter ist tatsächlich sehr stolz nun „eine von den Großen“ mit Rad zu sein und setzt auch die Verkehrsregeln 1A um. Nur wenn ich mich 100% auf meine Kinder im Verkehr verlassen kann, kann ich mit ihnen solch gefährliche Strecken Rad fahren.

Sollte das noch nicht der Fall sein, bitte lieber ein paar Mal öfter auf einem leeren Parkplatz üben und die Verkehrsregeln auf „sicheren Strecken“ umsetzen. „Trial and error“ ist beim Radfahren im Verkehr (im Gegensatz zu sonstigen Aspekten meines Lebens) kein Motto auf welches ich setze.

 

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Gemeinsam mit Papa wurde das Rad ausgepackt.

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Die erste Ausfahrt mit dem woom 2.

Mein Kind fährt aber garnicht Rad – was tun?

Nix. Einfach nix. Wenn das Kind noch nicht bereit dazu ist – warum auch immer – oder einfach nicht möchte bitte nicht zum Rad fahren drängen. Es gibt genug andere Dinge mit denen Bewegung Spaß macht. Inline- oder Rollerskates, ein Tretroller oder auch Skateboards. Meine Tochter ist bis zu ihrem lila Rad übrigens immerzu Laufrad gefahren – obwohl sie bereits fast 5 Jahre alt ist.

Der Grund war ganz einfach. Das alte Kinderrad war ihr einfach zu schwer und mit dem Laufrad war sie wesentlich schneller unterwegs. Somit hatte sie keinen Spaß am Rad fahren, obwohl sie es schon seit fast zwei Jahren konnte.

Gelernt hat sie es mit etwa 3 Jahren. Die große Tochter etwas später.

Was auch immer ihr tut, versucht die Freude zu erhalten. Das ist im stressigen Alltag nicht immer leicht und Zeit ein kostbares Gut aber es lohnt sich! Für jetzt und später :-)

Ich erinnere mich noch an wahnsinnig lustige Fahrradtouren mit meinem Vater, eine Tradition die ich auch jetzt mit meinen Kindern fortführen möchte.

Wie war und ist das bei euch? Was gehört für euch zu einem „guten Fahrgefühl“ einfach dazu? Ich bin gespannt!

Eure Bernadette

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Stolzes Probesitzen im heimischen Wohnzimmer.

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Was schöneres als das erste eigene Radl? Wohl kaum!


 

Infos zu den Produkten im Blogpost

Unsere woom Fahrräder haben wir in Kooperation mit woom erstanden. Auch ohne diese bin ich zu 100% von den Fahrrädern – und vom Radfahren – überzeugt. Das Thema Radfahren und Sicherheit liegt mir wahnsinnig am Herzen weshalb es auch öfter Beiträge zu diesem Thema von mir gibt. Ich denke dass das Thema Bewegung und Kinder, ob nun am Rad oder anders, auch bei euch Thema ist. Sehr freue ich mich über Kommentare und Anregungen zu dem Thema.

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